Wer einmal vor dem Katzenfutter-Regal im Supermarkt gestanden hat, kennt die Überforderung. Dutzende Produkte, bunte Verpackungen, Versprechen wie „reich an Protein“ oder „mit feinstem Hühnerfleisch“. Was davon hält, was die Etiketten versprechen, ist ohne Vorkenntnisse kaum zu beurteilen. Dabei ist die Wahl des richtigen Futters für die Gesundheit einer Katze keine Kleinigkeit. Katzen sind obligate Carnivoren, das heißt, ihr Körper ist biologisch darauf ausgelegt, Nährstoffe ausschließlich aus tierischen Quellen zu verwerten.
Zutatendeklaration verstehen lernen
Die Zutatenliste auf der Verpackung ist der wichtigste Anhaltspunkt beim Kauf. In der EU gilt die absteigende Reihenfolge nach Gewicht vor der Verarbeitung. Das bedeutet: Was zuerst steht, macht den größten Anteil aus. Steht an erster Stelle „Hühnerfleisch“ oder „Rind“, ist das ein gutes Zeichen. Steht dort hingegen „Getreide“ oder „Zuckerrübensirup“, sollten die Alarmglocken läuten.
Problematisch sind pauschale Bezeichnungen wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“. Diese Formulierung ist legal, aber vage. Dahinter kann sich Lunge, Pansen oder Haut verbergen, genauso gut aber auch Herzfleisch, das tatsächlich nährstoffreich ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt Hersteller, die ihre Rohstoffe konkret benennen, also zum Beispiel „65 % Hühnerfleisch (davon 20 % Herz)“.
Fleischanteil und Fleischqualität
Ein hoher Fleischanteil allein sagt wenig, wenn die Qualität stimmt nicht. Viele Billigprodukte werben mit 80 % „Tierischen Zutaten“, rechnen dabei aber Wasser, Knochen und Bindegewebe mit ein. Für eine ausgewachsene Katze empfehlen Ernährungsberater einen Rohproteingehalt von mindestens 8 Prozent im Nassfutter und mindestens 30 Prozent im Trockenfutter, jeweils aus tierischen Quellen.
Wer tiefer einsteigen möchte, findet bei einem ausführlichen Überblick zu den verschiedenen Fleischsorten im Katzenfutter nützliche Orientierung, welche Proteinquellen für Katzen gut verträglich sind und was sich hinter einzelnen Bezeichnungen auf der Verpackung konkret verbirgt. Rindfleisch etwa wird von manchen Katzen weniger gut vertragen als Geflügel, während Fisch zwar beliebt, bei dauerhafter Verfütterung aber wegen des hohen Jodgehalts nicht unproblematisch ist.
Getreide, Kohlenhydrate und was Katzen nicht brauchen
Katzen besitzen keine Amylase im Speichel und nur eine eingeschränkte Fähigkeit, Stärke zu verdauen. Trotzdem enthalten viele Fertigfutter erhebliche Mengen Mais, Weizen oder Reis. Diese Zutaten dienen vor allem als Bindemittel und günstiger Füllstoff. Ein gewisser Kohlenhydratanteil schadet nicht zwingend, aber Produkte, in denen Getreide vor Fleisch in der Zutatenliste steht, sind für Katzen schlicht nicht optimal.
Besonders beim Trockenfutter ist Vorsicht geboten. Um die nötige Struktur der Pellets zu erzielen, liegt der Kohlenhydratanteil oft zwischen 30 und 40 Prozent. Manche Hersteller bieten getreidefreie Alternativen an, die stattdessen auf Kartoffel oder Erbsen setzen. Das ist ein Kompromiss, kein idealer Zustand, aber deutlich besser als Weizenmehl als Hauptzutat.
Nass- oder Trockenfutter: Eine praxisnahe Einordnung
Nassfutter enthält in der Regel zwischen 75 und 85 Prozent Wasser. Das ist für Katzen bedeutsam, weil sie von Natur aus wenig trinken und einen Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfs über die Nahrung decken. Chronische Nierenprobleme, die bei älteren Katzen häufig auftreten, stehen oft in Zusammenhang mit dauerhafter Unterversorgung mit Wasser. Wer seiner Katze ausschließlich Trockenfutter gibt, sollte daher sehr auf ausreichendes Trinkverhalten achten, zum Beispiel durch mehrere Wasserstellen oder einen Trinkbrunnen.
Trockenfutter hat seinen praktischen Vorteil: Es ist günstiger, haltbarer und kann bedenkenlos stehen gelassen werden. Für Katzen, die tagsüber allein sind, kann das eine sinnvolle Ergänzung sein. Die meisten Ernährungsberater empfehlen eine Kombination aus beiden Futterarten, wobei Nassfutter den Löwenanteil ausmachen sollte.
Zusatzstoffe, Konservierungsmittel und was auf der Verpackung steht
Zugelassene Konservierungsmittel wie Tocopherole (Vitamin E) oder Rosmarinextrakt gelten als unbedenklich. Kritischer sind synthetische Antioxidantien wie BHA (E320) oder BHT (E321), die in manchen kostengünstigen Produkten noch auftauchen. Sie sind zwar in der EU für Tierfutter zugelassen, stehen aber im Verdacht, bei dauerhafter Aufnahme negative Auswirkungen zu haben.
Taurin ist ein Pflichtbestandteil in industriellem Katzenfutter und muss in ausreichender Menge vorhanden sein. Katzen können diese Aminosäure nicht selbst synthetisieren und sind auf die Zufuhr angewiesen. Ein Taurinmangel führt langfristig zu Herzmuskelerkrankungen und Sehverlust. Seriöse Hersteller weisen den Tauringehalt auf der Verpackung aus.
| Kriterium | Gut | Bedenklich |
|---|---|---|
| Erste Zutat | Genannte Fleischsorte (z. B. Huhn) | Getreide, Mais, Zucker |
| Rohprotein (Nassfutter) | Über 8 % | Unter 6 % |
| Konservierung | Tocopherole, Rosmarinextrakt | BHA (E320), BHT (E321) |
| Fleischdeklaration | Konkrete Angaben mit Prozentangabe | „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ |
Praktische Kaufentscheidung: Worauf wirklich achten
Teuer ist nicht automatisch gut, günstig nicht automatisch schlecht. Einige Handelsmarken schneiden in unabhängigen Tests besser ab als bekannte Markenprodukte mit aufwendigem Marketingbudget. Wer keine Zeit hat, jede Zutatenliste zu studieren, kann sich an folgenden Faustregeln orientieren:
- Fleisch oder Fisch als erste Zutat, konkret benannt und mit Prozentangabe
- Rohprotein über 8 Prozent bei Nassfutter, über 30 Prozent bei Trockenfutter
- Keine Zuckerzusätze, also kein Zucker, Sirup oder Dextrose in der Liste
- Taurin als deklarierten Zusatzstoff oder nachgewiesener Bestandteil
- Kein BHA oder BHT in der Konservierungsmittelliste
Wer eine Katze mit empfindlichem Magen oder Allergien hat, sollte auf Monoproteinfutter setzen, also Produkte mit nur einer einzigen Fleischquelle. Das erleichtert die Identifikation von Unverträglichkeiten erheblich. Ein Wechsel des Futters sollte grundsätzlich langsam über sieben bis zehn Tage erfolgen, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.
Die Wahl des richtigen Katzenfutters ist letztlich keine Wissenschaft, erfordert aber ein Minimum an Lesekompetenz beim Blick auf die Verpackung. Wer einmal verstanden hat, wie die Deklaration funktioniert, trifft beim nächsten Einkauf deutlich sicherere Entscheidungen.

